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24.08.2009, 21:49 Uhr | Westfälische Nachrichten
Auftritt des Polit-Popstars: Guttenberg für Markus Lewe und Ruprecht Polenz

Smart und klug zu sein reicht nicht. Was aber ist es dann, das Karl-Theodor zu Guttenberg binnen weniger Monate zu einem Pop-Star der Politik hat werden lassen? Zum beliebtesten Politiker, zum bestangezogenen. Die Tatsache vielleicht, dass er sympathisch wirkt, charmant ist, witzig, schlagfertig?

Markus Lewe und Ruprecht Polenz mit Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg an der Aaseebühne

Dass er anders ist, als die meisten anderen, weniger konform, und sich alleine dadurch schon unterscheidet von all den Westerwelles und Steinmeiers, Jungs oder Schmidts. Anders nicht nur, weil von adligem Geblüt?

Der Mann hat Charme, das steht fest. Am späten Montagnachmittag, Münster, Aasee-Terrassen: Der Bundeswirtschaftsminister auf Wahlkampf-Tour. Ein CSU-Mann, der für die lokalen CDU-Kandidaten trommelt. Einen Horst Seehofer hätte wohl kaum jemand danach gefragt.
Da steht er also am Aasee, die Sonne scheint, Urlaubswetter. Was sofort auffällt: Der 38-Jährige redet im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen nicht nur frei und druckreif, er erschafft auch rhetorische Wortkaskaden, deren Grammatik jeder Prüfung standhält. Und das geschlagene anderthalb Stunden lang. 

Einer, der aus Neuenkirchen nach Münster gekommen ist, um den Minister zu sehen, ist Bernd Hinterding. „Ich finde gut, was der Minister sagt“, sagt er, geradlinig sei der Bayer, tatkräftig und intelligent.

Freiherr Guttenberg steht auf einem Holz-Ponton, See und Sonne im Rücken. Vor ihm haben es sich rund 2000 Menschen auf den schmucken Terrassen bequem gemacht. Der 38-Jährige wird seiner Rolle gerecht, er wirkt wie ein Joschka Fischer der CSU. Immer ein bisschen über der Partei stehend, die er vertritt.

Die Wirtschaftskrise ist auch an diesem Tag sein Thema. Wen wundert's. Doch ist er viel zu klug, in billige Wahlkampf-Rhetorik zu verfallen. „Wir alle sind gewählt worden, um zu arbeiten, und nicht dafür, danach zu trachten, den politischen Gegner zu vernichten“, sagt er. Das gelte auch in den verbleibenden Wochen bis zur Bundestagswahl. 

Der CSU-Politiker hält eine Ärmel-aufkrempeln-Rede. Appelliert an die Leistungsbereitschaft, lobt den Mittelstand, die Handwerker und Landwirte als „Herzkammer der Volkswirtschaft“, plädiert für eine positive Stimmungslage - „Ich kann diejenigen nicht verstehen, die sich darin ergehen, jeden Tag die möglichst schlechteste Nachricht hinauszutrompeten“, sagt er.

So seien die Probleme nicht zu lösen. Stattdessen fordert er zu mehr Kreativität auf, mehr Mut, mehr Gründerwillen. Guttenberg sieht in den „Zockern an den Finanzmärkten“ die Haupt-Verantwortlichen für die Krise, spricht aber auch von „unterlassener Verantwortung auf der staatlichen Ebene“. 

Er wolle sein „Herz sprechen lassen“, hatte er zu Beginn seiner Rede gesagt. Klartext, heißt das. Und er kann es sich erlauben. Der Wirtschaftsminister ist jung genug, um die Fehler der Vergangenheit anzusprechen zu können. Und er ist noch so frisch im Amt, dass er die in jüngere Zeit auch von der Politik gemachten Fehler kritisieren darf, ohne sich damit selbst zu belasten oder in Haftung zu nehmen. 

Dazuzugehören, ohne sich gemein zu machen. Und jung genug sein, um nicht in politische Sippenhaft genommen werden zu können. Vielleicht ist ja genau das das Geheimnis seines Erfolges.

Quelle: Westfälische Nachrichten
Fotos: Jürgen Peperhowe

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