Neuigkeiten

31.10.2010, 15:25 Uhr
Studenten müssen Krankheiten offenlegen
Sternberg: Mangelnder Datenschutz an Münsters Hochschulen

An Hochschulen in Münster werden seit einiger Zeit ärztliche Atteste von Studenten verlangt, in denen sie ihre Krankheiten offenlegen müssen. Die Landesregierung hat nun zugegeben, dass sie diese Praxis grundsätzlich akzeptiert und nicht plant, sie zu ändern. Dies geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage hervor, die der direkt gewählte Münsteraner Landtagsabgeordnete Thomas Sternberg im September an die Landesregierung gestellt hatte. Er kritisiert in seiner Frage, dass diese Regelung dem Recht auf Datenschutz widerspreche und medizinische Laien im Prüfungsamt über die Prüfungsfähigkeit der Studenten entscheiden würden.

Die rot-grüne Landesregierung spricht in ihrer jetzt vorliegenden Stellungnahme von Einzelfällen und empfiehlt jeweils Gespräche mit den Studenten, um eine einvernehmliche Lösung zu erreichen. Sie werde nur eingreifen, wenn dies erforderlich sei.

„Die Landesregierung lässt die Studenten mit dieser Antwort im Regen stehen“, so Sternberg, „es kann nicht sein, dass in jedem einzelnen Fall zunächst Gespräche, womöglich mit Beteiligung des Ministeriums geführt werden, um eine Ausnahme zu erreichen. Zumindest lautet so der Lösungsvorschlag auf meine Anfrage. Ich kann mir vorstellen, dass es Studenten gibt, die sich nicht trauen, sich über die ungerechte Prüfungsordnung zu beschweren. Sie müssen somit weiterhin ihre intimsten Daten den medizinischen Laien im Prüfungsamt zur Verfügung stellen. Ich hoffe, dass das Wissenschaftsministerium sich wenigstens an sein Versprechen hält, im Einzelfall einzugreifen.“

Der Abgeordnete fordert daher, dass es künftig eine grundsätzliche Regelung geben soll, die es verbietet, dass die Prüfungsämter von den Studenten ein Attest verlangen dürfen, in dem die Krankheitssymptome genannt werden müssen. Er verspricht: „Dafür werde ich mich einsetzen.“ Bis zur Änderung der Praxis hofft er, dass die Hochschulen in Münster auch die üblichen Atteste, die von Arbeitnehmern vorgelegt werden müssen, akzeptieren. In denen muss nämlich keine Krankheit genannt werden. „Im Sinne der Studenten wäre es sicher das Beste, die Prüfungsordnungen zu ändern“, empfiehlt Sternberg, „ich finde es nicht gut, wenn die Unis den Studenten grundsätzlich misstrauen. Um künftig Gefälligkeitsatteste zu vermeiden, könnte im Zweifelsfall ein Student zu einem Vertrauens- oder Amtsarzt geschickt werden. Das ist auch der übliche Weg in der Arbeitswelt.“

Im Sommer hatten sich bei Sternberg Studenten Münsteraner Hochschulen beschwert. In einigen Prüfungsordnungen ist seit einiger Zeit vorgeschrieben, dass Studenten nicht nur das Attest ihres Arztes vorlegen müssen, wenn sie zu einer Prüfung erkranken, sondern dass das entsprechende Attest auch die Krankheitssymptome nennen muss. Im Prüfungsamt wird es dann von medizinischen Laien gelesen und vom Prüfungsausschuss bewertet, ob die Symptome für den Rücktritt von der Prüfung ausreichend sind.

Auch Mitarbeiter von Prüfungsämtern hatten sich an den Abgeordneten gewandt und bemängelt, dass sie, etwa als Geisteswissenschaftler, nicht über die Grundlagen verfügen würden, die gesundheitlichen Symptome zu bewerten. Sie seien nicht einmal mit Fortbildungen auf ihre Aufgabe vorbereitet worden. „Den Mitarbeitern in den Prüfungsämtern ist nicht vorzuwerfen, dass sie damit überfordert sind, die Atteste zu bewerten. Schließlich sind sie medizinische Laien“, so Sternberg abschließend, „dies kann aber nicht auf dem Rücken der Studenten geschehen, die verlässliche Rahmenbedingungen benötigen und nicht auf willkürliche Entscheidungen angewiesen sein wollen.“

Zusatzinformationen

Nächste Termine

Weitere Termine

Suche