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01.04.2011, 12:05 Uhr
Uni Münster gibt umstrittene Attestregelung auf

Die Universität Münster hat eine umstrittene Regelung aufgegeben, laut der Studenten ihre Krankheitssymptome bekannt geben mussten, wenn sie ein ärztliches Attest einreichten. Der Münsteraner Landtagsabgeordnete Thomas Sternberg hatte dieses Verfahren als schwerwiegenden Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Studenten kritisiert und mit einem Antrag im Landtag auf die Verantwortung der Landesregierung hingewiesen.

Prof. Dr. Thomas Sternberg

Ähnliche problematische Prüfungsordnungen an vielen Hochschulen im ganzen Land waren daraufhin in der Öffentlichkeit bekannt geworden. So mussten Verwaltungsmitarbeiter ohne medizinische Ausbildung darüber entscheiden, ob beispielsweise Kopfschmerzen vorgetäuscht waren oder es sich um eine ernsthafte Krankheit handelte. Dies ist auch datenschutzrechtlich höchst bedenklich. Im Arbeitsleben gibt es keinen vergleichbaren Anspruch des Arbeitgebers auf solche Informationen, sondern bei Zweifeln die Institution des Vertrauensarztes.

Das Rektorat der Uni Münster hat die Dekane nun in einem Schreiben darauf hingewiesen, dass es „keinen Einfluss“ mehr auf die Praxis der Anerkennung von Rücktrittsgründen nehmen werde und die rechtliche Verantwortung bei ihnen liege. Dies bedeutet faktisch die Abschaffung der Regelung, da es bereits Signale aus allen Dekanaten gibt, sie nicht mehr anwenden zu wollen.

Sternberg zeigte sich erleichtert über den Schritt der Universität: „Ich bin froh, dass die WWU erkannt hat, dass die Regelung nicht angemessen ist. Ich bin mir sicher, dass auch andere Hochschulen in Nordrhein-Westfalen dem Vorbild Münsters folgen und die Prüfungsordnungen von sich aus ändern werden. Somit wird eine Gesetzesänderung hoffentlich nicht notwendig werden.“

Sternberg dankte besonders der Studentin Fenna Neuborn, die ihn erstmals auf das Problem hingewiesen hatte. Als Vertreterin der Fachschaft Pädagogik hatte sie an der Universität mit betroffenen Studenten gesprochen, die sich wegen der Regelung in ihren Persönlichkeitsrechten eingeschränkt fühlten. Engagiert hatte sie dann deren Interessen mit dem Rückhalt der studentischen Gremien gegenüber den Verantwortlichen der Universität vertreten. Gegenüber Sternberg sagte sie: „Ich bin erleichtert, dass nun zumindest für die Studierenden in Münster wieder faire Verhältnisse herrschen und wünsche dies den Studierenden an allen Hochschulen im Land.“

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