"Innenstädte müssen lebenswert bleiben"

Bundesvorsitzende Gitta Connemann beim MIT Business Lunch bei Zumnorde

03.11.2022, 09:48 Uhr

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion MIT hat zusammen mit dem Schuhaus Zumnorde zum Business-Lunch in die Firmenzentrale eingeladen.

Der Chef des Gastgeber-Unternehmens Thomas Zumnorde hatte beim Einblick in die 130-jährige Firmengeschichte geschildet, wie sich sein Unternehmen auf die Veränderungen im Einzelhandel eingestellt hat. "Wir sind rechtzeitig im Jahr 2011 in den Onlinehandel eingestiegen und erwirtschaften dort mittlerweile 30 Prozent unseres Umsatzes", so Zumnorde.

Die langfristige Kundenbindung werde dabei immer wichtiger. „Wir sind näher am Kunden, flexibler und persönlicher und vor allem haben wir mehr Ahnung von den Produkten, die wir verkaufen, als die Amazons und Zalandos“, sagte Zumnorde.

Allerdings habe auch er die Belastungen durch die EU-Bürokratie erlebt. Als Beispiel nannte er die Datenschutzgrundverordnung der EU, die für Online-Händler einen erheblichen Mehraufwand verursacht hätte.

Die Bundesvorsitzende der MIT, Gitta Connemann, die nach dem Abitur zunächst eine Lehre als Schuhverkäuferin gemacht hatte, sagte: „Zumnorde hat es geschafft von Münster aus so etwas wie eine Institution im Schuhhandel in ganz Deutschland zu werden“.  Sie beklagte bei ihrem Besuch in Münster eine mangelnde Wertschätzung des Einzelhandels: "Der Einzelhandel leidet noch immer unter den Nachwirkungen des Corona-Lockdowns", so Connemann. Große Onlinehändler und unterschiedliche europaweite Rahmenbedingungen erschwerten zusätzlich das Geschäft. Die Kunden kämen nur dann weiterhin in die Innenstädte zum Einkaufen, wenn diese Ihre Attraktivität behielten.

Eine überbordende Bürokratie wie die neuen EU-Taxonomie-Regeln belasteten die Unternehmen noch mehr. Sie beträfen künftig alle Unternehmen in Deutschland, die Kredite in Anspruch nehmen. Als Teil des European Green Deal sehen die Pläne der EU-Kommission vor, nachhaltiges Wirtschaften zu definieren und sollen sowohl für Unternehmen als auch für Investoren künftig verpflichtend sein. "40 Prozent der Unternehmen in Deutschland haben inzwischen ihre Investitionen gestoppt", so Connemann. Dies gefährde den Wirtschaftsstandort erheblich.

Der MIT-Vorsitzende Peter Börgel dankte den über 40 Gästen für das große Interesse: " Wir werden uns in Münster weiter für die Attraktivität und damit für den Mittelstand einsetzen", so Börgel.

Foto von links: Christoph Jahn, MIT, Thomas Zumorde,  Babette Lichtenstein, MIT, Peter Börgel, MIT Vorsitzender, Gitta Connemann, MIT-Bundesvorsitzende, Jan Leiße, MIT