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18.05.2018, 16:41 Uhr
Chancen in Ausbildungsberufen deutlicher kommunizieren

Auf Einladung des Arbeitskreises Bildung der CDU Münster fanden sich zahlreiche interessierte Gäste zu der Veranstaltung „Notstand in den Ausbildungsberufen“ im Café Colibri ein. Das Podium war mit der Bundestagsabgeordneten Sybille Benning (CDU), stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestags, Anika Höing, Krankenpflegerin im UKM, Frank Jansing, Geschäftsführer der Trialog Medical GmbH, Jonas Klein, Schüler, Abiturient und Vorsitzender des JU Stadtbezirksverband Münster-West, und Frank Tischner, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf, breit besetzt.. Moderiert von Andree Burke wurden das schlechte Image der Ausbildungsberufe, Erfahrungen sowie Vorteile in Ausbildungsberufen diskutiert.

Gut besucht war das Café Colibri bei der Veranstaltung "Notstand in Ausbildungsberufen"

Nach Jonas Kleins seien bei Schülern Vorurteile wie ein schlechtes Gehalt sowie zu geringe Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen, vorherrschend. Diese Vorurteile gingen nach Franks Tischner mit niedriger gesellschaftlicher Wertschätzung einher. Politik und Medien müssten daher wieder stärker positiv hervorheben, welche Vorteile Ausbildungsberufe hätten. So könnte ihr Ansehen gesteigert werden. Damit der Bachelor nicht zur neuen Ausbildung werde, strebe die Politik bereits eine Gleichstellung von beruflicher und akademischer Bildung an, so Sybille Benning. Zu aktuellen Projekten, die die Ausbildungen unterstützen sollen, gehörten unter anderem der Berufsbildungspakt, Mindestausbildungsvergütung, Mobilitätsförderung für Auszubildende und Aufstiegs-BAföG. Zudem gelte es Transparenz zu fördern um den Menschen deutlich zu machen, dass in Ausbildungsberufen durchaus mehr Geld zu verdienen sei als mit abgeschlossenem Studium. Zudem gäbe es in jedem Beruf Aufstiegsmöglichkeiten, die mit viel Verantwortung verbunden seien..

Dazu berichtete Anika Höing, die ihr Abitur gemacht und sich für einen Ausbildungsberuf im Bereich der Pflege entschieden hat, aus ihrem Arbeitsalltag in der Klinik: 8-Stunden- Schichten mit regelmäßigen 1,5 Überstunden pro Tag. Ihre Station sei meist unterbesetzt, sodass keine adäquate Versorgung der Patienten gewährleistet werden könne. Dazu kämen stark beeinträchtigende Rahmenbedingungen des Berufs wie geringer Lohn, Einschränkungen in der Möglichkeit eines geregelten Familienlebens und -alltags durch Überstunden sowie dauerhafte psychische und physische Belastung. Viele Pflegerinnen und Pfleger wechselten in Folge dessen Arbeitgeber oder Beruf, was zur schlechten Besetzung weiter beitrage. Das Image der Tätigkeit sei schlecht – zu wenige Menschen seien bereit, eine entsprechende Ausbildung zu beginnen: Auch wenn das Ansehen des Pflegeberufs bei vielen Deutschen sehr hoch sei, wie Frank Jansing erläuterte, sehe sich kaum ein Deutscher in der Lage, den Beruf selbst auszuüben.

In einer Schlussrunde sah Anika Höing in absehbarer Zeit kaum Perspektiven auf Besserung. Ihre Generation wolle höher, schneller und weiter - und bisher zähle dazu kein Ausbildungsberuf. Frank Tischner und Jonas Klein zeigten sich kritisch, sahen aber Möglichkeiten einer Besserung, wenn Schüler in Zukunft besser über die Chancen in Ausbildungsberufen informiert und die Steine, über die viele bei einem solchen Beruf stolpern, beiseite geräumt würden. Sybille Benning und Frank Jansing sahen die Entwicklung optimistischer. Beide äußerten einen bleibenden Verbesserungsbedarf, betonten aber, dass bereits eine Vielzahl hilfreicher Initiativen gestartet seien.

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