Professor Dr. Klaus Töpfer: „Verantwortung ist nicht verbot, sondern ethisch begründete Grenzsetzung“

Digitaler Frühlingsempfang der CDU Münster mit Bundesminister a.D. Prof. Dr. Klaus Töpfer

08.05.2021, 15:48 Uhr
Prof. Dr. Klaus Töpfer beim digitalen Frühlingsempfang der CDU Münster Foto: CDU
Prof. Dr. Klaus Töpfer beim digitalen Frühlingsempfang der CDU Münster Foto: CDU

Zahlreiche Zuschauer haben heute (Samstag, 8. Mai) am digitalen Frühlingsempfang der CDU Münster teilgenommen. Als Gastredner konnte die CDU Bundesumweltminister a.D. Prof. Dr. Klaus Töpfer gewinnen.

Nach einer musikalischen Einleitung durch einen Cellisten begrüßte CDU-Vorsitzender Hendrik Grau die Teilnehmer der Veranstaltung und betonte: „Dieses Mal sehen wir uns noch in digitaler Form, aber die aktuellen positiven Entwicklungen in der Pandemie stimmen mich hoffnungsfroh, dass wir uns bald wieder persönlich begrüßen dürfen.“

Ein zentrales Thema auf dem Frühlingsempfang war die anhaltende Klimakrise, die Grau als Damoklesschwert bezeichnete. „Eines ist klar“, ergänzte er. „Deutschland muss hier mehr tun.“ Während der politische Wettbewerb vor allem auf Verbote, Restriktionen und hemmungsloses Schuldenmachen setze, wolle die CDU jedoch mit nicht-dogmatischen Lösungen reagieren. Die CDU habe den Anspruch, „Politik für ganz Deutschland zu machen, nicht nur für einzelne Gruppen“.

In seinem anschließenden Vortrag unter dem Motto „Verantwortung übernehmen für eine gerechte Gesellschaft: Sozial – ökologisch – gerecht“ hat Prof. Töpfer das christliche Verständnis von Verantwortung nicht als Verbot, sondern als ethisch begründete Grenzsetzung definiert.

„Wir haben mit Blick auf die Natur vergleichsweise spät erkannt, dass auch da Grenzen gesetzt sind. Man kann ihr einiges zumuten, aber es gibt einen Umkipppunkt, an dem die Natur erschöpft ist. Meistens erkennen wir diesen Punkt erst dann, wenn es zu spät ist.“

Neben den Fragen „Welche Beiträge leisten Ethik und Verantwortungsbewusstsein? Was ist unsere Begrenztheit?“ nahm Töpfer auch Bezug auf aktuelle Strategien zur CO2-Begrenzung. Es gebe eine „Dringende Notwendigkeit, sich auch weiterhin an ordnungsrechtlichen Maßnahmen voranzuarbeiten.“ Die reine CO2-Bepreisung allein könne das Problem nicht lösen:

„Wir sind dringend daran interessiert, nicht nur über Preissetzungen für CO2 zu gehen. Es ist nicht Ziel der Klimapolitik, Gewinne für CO2-Spekulanten an der Börse zu finanzieren. Da müssen andere Lösungen gefunden werden.“

Auch an Kritiker von Windkrafträdern im ländlichen Raum und anderen Maßnahmen für erneuerbare Energien richtete Töpfer das Wort:

„Wir können nicht eine Welt machen, in denen nicht irgendjemand auch mal betroffen ist. Und das ist nicht als Opfer oder Verbot zu verstehen, sondern das ist ein Hinweis auf das Übernehmen von Verantwortung.“

Dr. Stefan Nacke MdL, CDU-Bundestagswahl-Kandidat für Münster, hob anschließend die Bedeutung der Partei für die Gesellschaft hervor:

„Wir sind Volkspartei. Und zwar eine Volkspartei mit dem Anspruch, zu gestalten. Die CDU hat den Willen zu regieren. Wir wollen in die Verantwortung. Wir stehen für die ganze Gesellschaft und das auf allen Ebenen.“

Ökologie sei für viele Menschen ein Lifestyle-Thema, eine Frage persönlicher Überzeugung geworden. „Auch bei dieser neuen akademischen Mittelschicht, die Fragen der Ökologie in den Mittelpunkt stellt, wollen wir wieder Anschluss finden“.

Doch nicht nur die Bedeutung ökologischer Nachhaltigkeit betonte Nacke. Ihm sei es wichtig, nach der Corona-Pandemie ein Modernisierungsjahrzehnt anzustoßen: „Modernisierung in der Medizin, Digitalisierung und Entbürokratisierung sind Themen, die wir angehen müssen.“